Spanien, 29.8.-11.9.2015

Die Artenvielfalt bei den Mauereidechsen im Westen der iberischen Halbinsel ist bereits gründlich untersucht, mehrere Arten wurden beschrieben. Weniger bekannt ist hingegen der Südosten Spaniens, wo sich eine noch größere Biodiversität offenbart. Wir haben die Provinzen Castellón, Teruel, Valencia, Albacete und Jaen bereist, um die hier vorkommenden Formen zu dokumentieren. Vielen Dank an Wouter Beukema!

  • Portugal, 14. – 21.4.2017

    Portugal, 14. – 21.4.2017

    Eidechsensafari an der Atlantikküste

    clearpx
  • Rhodos & Kastellorizo, 27.3. – 2.4.2017

    Rhodos & Kastellorizo, 27.3. – 2.4.2017

    Season Opening 2017

    clearpx
  • Pyrenäen, 2008 - 2016

    Pyrenäen, 2008 - 2016

    Aller guten Dinge sind Drei: Die Suche nach den Pyrenäeneidechsen

    clearpx
  • Sizilien & Äolische Inseln, 26.5. – 6.6.2016

    Sizilien & Äolische Inseln, 26.5. – 6.6.2016

    Mission Vulkan! Rauchende Berge und seltene Reptilien

    clearpx
  • Astypalaia & Naxos, 25.3.-3.4.2016

    Astypalaia & Naxos, 25.3.-3.4.2016

    Hellas reloaded – Besuch in Europas Biodiversitäts-Labor

    clearpx
  • Spanien, 29.8.-11.9.2015

    Spanien, 29.8.-11.9.2015

    Biodiversität auf der Südost-Tangente

    clearpx
  • Montenegro, 2. – 11.7.2015

    Montenegro, 2. – 11.7.2015

    Eidechsensafari in den Bergen Montenegros

    clearpx
  •  Malta, 3. – 6.4.2015

    Malta, 3. – 6.4.2015

    Die exklusive Podarcis filfolensis Homestory!

    clearpx
  • Oman, 6.–15.3.2015

    Oman, 6.–15.3.2015

    Abenteuer im Südosten der arabischen Halbinsel

    clearpx
  • Zentralspanien, 29.8. - 14.9.2014

    Zentralspanien, 29.8. - 14.9.2014

    14 Tage in der Hitze Kastiliens

    clearpx
  • Lefkada, Kefalonia & Akarnania, 24.5. - 3.6.2014

    Lefkada, Kefalonia & Akarnania, 24.5. - 3.6.2014

    Reptilienabenteuer in Westgriechenland

    clearpx
  • Mallorca / Alicante - 15.-23.03.2014

    Mallorca / Alicante - 15.-23.03.2014

    2014 Season Kick-off mit 16 Reptilienarten

    clearpx
  • Korsika, 07.-17.09.2013

    Korsika, 07.-17.09.2013

    Berge, Meer und Felseidechsen

    clearpx
  • Portugal, 13. - 20.07.2013

    Portugal, 13. - 20.07.2013

    Eidechsensuche in Zentralportugal

    clearpx
  • Rumänien, 24.05. - 03.06.2013

    Rumänien, 24.05. - 03.06.2013

    Herpetologische Abenteuer von der Schwarzmeerküste zum Eisernen Tor

    clearpx
  • Menorca, 17. - 24.03.2013

    Menorca, 17. - 24.03.2013

    Besuch bei den Baleareneidechsen

    clearpx
  • Peloponnes, 20. - 27.10.2012

    Peloponnes, 20. - 27.10.2012

    Herbstreise quer durch den Peloponnes

    clearpx
  • Montenegro, 27.07. - 04.08.2012

    Montenegro, 27.07. - 04.08.2012

    Sommertrip in die Berge Montenegros

    clearpx
  • Skyros & Evia, 26.05. - 04.06.2012

    Skyros & Evia, 26.05. - 04.06.2012

    Die Suche nach den legendären "Rieseneidechsen"...

    clearpx
  • Kreta, 06. - 13.04.2012

    Kreta, 06. - 13.04.2012

    Auf der Suche nach den Blumen und Eidechsen Kretas...

    clearpx
  • Andalusien, 10. - 18.03.2012

    Andalusien, 10. - 18.03.2012

    Eine heiße Woche voller herpetologischer Highlights im Südwesten Andalusiens

    clearpx
  • Nordspanien, 02. - 13.09.2011

    Nordspanien, 02. - 13.09.2011

    Herpetologische Reise in den Nordwesten Spaniens: die Berge westlich von Leon, die Atlantikküste südlich von A Coruña und die Picos de Europa.

    clearpx
  • Ägäis, 28.05. - 13.06.2011

    Ägäis, 28.05. - 13.06.2011

    Fünf Inseln in zwei Wochen: Kythira, Pori, Milos, Kimolos und Sifnos

    clearpx
  • Rhodos & Kastellorizo, 12. - 19.03.2011

    Rhodos & Kastellorizo, 12. - 19.03.2011

    Exkursion zur östlichsten Insel Griechenlands...

    clearpx
  • Zentralspanien, 25.09. - 03.10.2010

    Zentralspanien, 25.09. - 03.10.2010

    Iberolacertas in der Sierra de Gredos, Pena de Francia und Sierra de Guadarrama

    clearpx
  • Alpen, 03. - 17.07.2010

    Alpen, 03. - 17.07.2010

    Unsere erste Tour in die Alpen führte uns ins Allgäu, die Julischen Alpen und nach Kärnten

    clearpx
  • Nord-Peloponnes, 03. - 11.04.2010

    Nord-Peloponnes, 03. - 11.04.2010

    Vier Podarcis-Arten auf einen Streich!

    clearpx
  • Nordgriechenland, 01. - 15. 06.2009

    Nordgriechenland, 01. - 15. 06.2009

    Traumreise durch das Pindos-Gebirge...

    clearpx
  • Sizilien, 28.03. - 04.04.2009

    Sizilien, 28.03. - 04.04.2009

    Orchideenreise in den Osten Siziliens

    clearpx
  • Samos, September 2008 / 2009

    Samos, September 2008 / 2009

    Chamäleons, Goldmabuyen und schöne Strände...

    clearpx
  • Spanien, November 2008 / Februar 2009

    Spanien, November 2008 / Februar 2009

    Eidechsen in der Provinz Alicante

    clearpx
  • Kalkeifel

    Kalkeifel

    Unser regionaler „Spielplatz“: botanische Highlights, artenreiche Schmetterlingswiesen und ein bisschen Herpetofauna…

    clearpx
  • Die spanische Südost-Tangente: Unsere Stationen in den Provinzen Castellón, Teruel, Valencia, Albacete und Jaen.

    29.8.

    Mit einiger Verspätung landeten wir nachmittags auf dem Flughafen Valencia und fuhren von dort nach Nordwesten in die Provinz Teruel. Hier konnten wir vor Sonnenuntergang noch die ersten Eidechsen (Podarcis liolepis / Katalonische Mauereidechse) dieser Reise beobachten.

    30.8.

    In der Provinz Teruel hofften wir, Vipera latastei (Stülpnasenotter) zu finden – die einzige iberische Schlangenart, die wir noch nicht gesehen hatten. Also waren wir bereits am frühen Morgen im Gelände – mit Erfolg: nach 10 Minuten war ein Exemplar gefunden... Nun konnten wir uns dem eigentlichen Ziel unserer Reise widmen: den Eidechsen.

  • Vipera latastei aus der Provinz Teruel

    Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Iberischen Mauereidechsen (Podarcis hispanicus sensu lato) einen Artenkomplex aus zahlreichen genetischen Linien bilden. Während im Westen der iberischen Halbinsel mittlerweile alle genetischen Linien als jeweils eigenständige Arten oder Unterarten beschrieben wurden, führen die verschiedenen genetischen Linien in Ostspanien oftmals zu Verwirrung: So stimmen die bei KALIONTZOPOULOU et al. (2011) für die genetischen Linien gewählten Bezeichnungen teilweise nicht mit den derzeit gängigen Artbezeichnungen überein. Die nachfolgende Übersicht stellt die Bezeichnungen der genetischen Linien im Südosten Spaniens den taxonomischen Bezeichnungen (in Klamern, kursiv) gegenüber:

    Genetische Linie (derzeitige taxonomische Bezeichnung)
    Podarcis liolepis (Podarcis liolepis)
    Podarcis hispanicus “sensu stricto” (Podarcis liolepis)
    Podarcis hispanicus Galera (Podarcis hispanicus)
    Podarcis hispanicus Albacete-Murcia (Podarcis hispanicus)
    Podarcis hispanicus type 2 (Podarcis virescens)
    Podarcis vaucheri South Central Spain (Podarcis vaucheri)

    Wir verwenden im Folgenden die gängigen taxonomischen Begriffe.

    Auf unserer Reise besuchten wir hauptsächlich Regionen, die bislang nur von wenigen herpetologisch Interessierten besucht wurden und auch für uns weitgehend Terra Incognita waren. Unser erstes Ziel war der Penyagolosa-Naturpark: in den Bergen dieser Region lebt eine isolierte Population von Podarcis muralis (Mauereidechse), deren nächste Verwandte das Iberische Scheidegebirge nördlich von Madrid besiedeln.

  • Der 1800 m hohe Gebirgsstock des Penyagolosa – Heimat von:

  • Podarcis muralis brongniardii – in weiten Teilen Europas eine verbreitete Eidechse, in dieser Region Spaniens aber eine seltene Art.

  • Podarcis muralis: Die Tiere waren große Poser – hier ein Weibchen…

  • …und ein Männchen, das sich vor der Kamera aufbaut.

  • Syntop mit Podarcis muralis kommt am Penyagolosa Podarcis liolepis vor.

  • Wird einmal ein Eidechsenprädator: juvenile Coronella austriaca (Schlingnatter)

  • Natrix maura (Vipernnatter)

  • Aeshna cyanea (Blaugrüne Mosaikjungfer)

    31.8.

    Westlich des Penyagolosa schließt sich die Sierra de Gudar an, eine Bergkette im südaragonesischen Hochland, die bei Valdelinares auf 2000 m Höhe (einschließlich eines Skigebiets) ansteigt. Dort fanden wir wieder Podarcis muralis. Ein weiterer Stopp bei der Ortschaft Gudar brachte Podarcis liolepis, Chalcides bedriagai (Spanischer Walzenskink) und sehr scheue Timon lepidus (Perleidechse). Abends besichtigten wir die Provinzhauptstadt Teruel, die sich durch Mudéjar- und Jugendstilarchitektur auszeichnet.

  • Viehweiden auf 2000 m Höhe: Sierra de Gudar

  • Podarcis muralis mit kontrastreicher Zeichnung ("Iberolacerta-Stil"!)

  • In der Sierra de Gudar: Habitat von…

  • …Podarcis liolepis und…

  • …Chalcides bedriagai

  • Sightseeing in Teruel

    1.9.

    Unsere nächste Station war das Javalambre-Gebirge südlich von Teruel – das zweite Skigebiet der Region. Hier fanden wir auf 1600 m Höhe Chalcides bedriagai, Podarcis hispanicus „sensu stricto“ (Podarcis liolepis), Psammodromus edwarsianus (Spanischer Sandläufer), Psammodromus algirus (Algerischer Sandläufer) und Timon lepidus. Am Nachmittag wurde das Wetter in den Bergen unbeständig und wir fuhren weiter südwärts nach Requena.

  • Im Javalambre-Gebirge

  • Podarcis liolepis (der Podarcis hispanicus „sensu stricto“-Phänotyp)

  • Psammodromus edwarsianus

  • Chalcides bedriagai

    2.9.

    Wir fuhren von Requena in die nördliche Provinz Albacete. Auf verschiedenen Zwischenstopps hofften wir auf Podarcis hispanicus „sensu stricto“, fanden aber außer den beiden Psammodromus-Arten keine Eidechsen. Die Verbreitung der Gattung Podarcis scheint in dieser Region lückenhaft zu sein. Dies mag einerseits an der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung liegen; aber merkwürdigerweise auch in geeigneten Habitaten scheint die Gattung oftmals zu fehlen; so suchten wir beispielsweise im Naturpark des Rio Cabriel bei Villatoya vergebens. Nachmittags erreichten wir Alcala de Jucar. Das tief eingeschnittene Flusstal des Jucar bildet hier eine Naturoase in der ansonsten völlig ausgeräumten Agrarsteppe der zentralen Albacete-Provinz. Hier konnten wir schließlich doch noch Spanische Mauereidechsen nachweisen.

  • Alcala de Jucar

  • Die Hänge des Jucar-Tals sind Lebensraum für den Iberiensteinbock (Capra pyrenaica)

  • Westlicher Schlammtaucher (Pelodytes punctatus)

  • Podarcis hispanicus erreicht hier ihre nördliche Verbreitungsgrenze

  • Podarcis hispanicus

    3.9.

    Wir durchquerten die Albacete-Provinz in Richtung Südwesten. Bei einem Zwischenstopp bei Balazote (20 km südlich von Albacete) fanden wir Podarcis virescens). Wir fuhren weiter durch die landschaftlich schöne Sierra de Alcaraz zu unserer nächsten Station: Riopar.

  • Zentrale Albacete-Provinz: Kein Grund zum Anhalten…

  • Podarcis virescens erreicht bei Albacete ihre östliche Verbreitungsgrenze.

  • Den in Spanien omnipräsenten Psammodromus algirus fanden wir auf allen Stationen unserer Reise.

  • In der Sierra de Alcaraz

  • Gigantischer Pelophylax perezi (Iberischer Wasserfrosch): Er war das einzige Exemplar an einer Wasserzisterne – wahrscheinlich hatte er seine Kollegen alle aufgefressen…

    4.9.

    Die Gegend um Riopar ist herpetologisch interessant: hier befindet sich ein Fundort aus der Erstbeschreibung von Psammodromus hispanicus durch FITZE et al. (2012) und tatsächlich konnten wir dort diese Art nachweisen. Im gleichen Gebiet fanden wir eine Population von Podarcis virescens. Anschließend fuhren wir zur Quelle des Rio Mundo – einem beliebten Ausflugsziel – wo sich Algyroides marchi (Spanische Kieleidechse) beobachten lässt.

  • Psammodromus hispanicus

  • Podarcis virescens: einzelne Tiere dieser Population zeigten eine ungewöhnliche Färbung…

  • …insgesamt ließ sich diese Population aber eindeutig Podarcis virescens zuordnen…

  • …die Jungtiere dieser Population waren sehr dunkel gefärbt – ähnliches hatten wir im Vorjahr bereits in der Provinz Cuenca beobachtet.

  • Nacamiento del Rio Mundo: Habitat von…

  • …Algyroides marchi

  • Juveniler Algyroides marchi

    5.9.

    Nochmals Riopar: Während in Riopar Podarcis virescens vorkommt, wurde 2011 für die östlich angrenzenden Gebiete eine weitere genetische Linie beschrieben: Podarcis hispanicus Albacete-Murcia type. Unsere Suche nach diesen Tieren sollte sich zunächst als schwierig erweisen. Schließlich wurden wir aber bei den Ortschaften El Pardal / Molinicos fündig. Eine morphologische Untersuchung von KALIONTZOPOULOU et al. (2012) zeigt, dass sich die beiden Linien Albacete-Murcia type und Galera type äußerlich sehr ähnlich sind. Tatsächlich lassen sich nach unserem Kenntnisstand die Jungtiere dieser Linien nicht nach äußeren Merkmalen unterscheiden. Bei den erwachsenen Tieren konnten wir aber Unterschiede ausmachen. Da die Verbreitungsgebiete der beiden Linien einem Flickenteppich gleichen, dürfte dennoch eine sichere Unterscheidung zwischen Albacete-Murcia type und Galera type vielerorts schwierig sein.

    Nachmittags fuhren wir zum Puerto de las Crucetillas nördlich von Riopar: Von dort wurde 1964 die Unterart Algyroides marchi niethammeri beschrieben, die sich durch blaue Kehlfärbung auszeichnen soll. Seit der Erstbeschreibung wurde dieses Tier nicht mehr gefunden – gleichwohl findet sich die Aussage, es gäbe blaukehlige Algyroides marchi, bis heute in den meisten Feldführern. Auch wenn die Existenz einer Unterart niethammeri stark angezweifelt werden muss, entschlossen wir uns, das Gebiet anzusehen. Erwartungsgemäß fanden wir hier keine Kieleidechsen aber immerhin Psammodromus hispanicus.

  • Podarcis hispanicus (genetisch handelt es sich um den Albacete-Murcia type)

  • …ein adultes Tier

  • …Es gelangen uns leider keine guten Fotos adulter Tiere. Zu Dokumentationszwecken zeigen wir dennoch diese Aufnahmen…

  • …Habitat

  • Puerto de las Crucetillas: für diesen Ort wurde die fragwürdige Unterart Algyroides marchi niethammeri beschrieben.

  • Psammodromus hispanicus

    6.9.

    Regnerisches Wetter vertrieb uns aus Riopar und wir fuhren in Richtung Jaen. In dieser Gegend kommt eine weitere Linie – Podarcis vaucheri South Central Spain (Podarcis vaucheri / Südiberische Mauereidechse) – vor, die ebenfalls 2011 erstmalig beschrieben wurde und sich von Podarcis vaucheri im südlichen Andalusien genetisch stark unterscheidet. Wir konnten diese Tiere in einem Stadtpark in Jaen beobachten; anschließend ließen wir es uns in einer der vielen Tapas-Bars der Stadt gut gehen.

  • Podarcis vaucheri

  • Eine weitere Podarcis vaucheri: charakteristisch ist die dreieckige Kopfform.

  • Juvenile Podarcis vaucheri

  • Ein weiteres juveniles Exemplar

  • In dieser Region fanden wir bemerkenswert große Tarentola mauritanica

  • Gutes Leben in Jaen…

    7.9.

    Es regnete wie aus Eimern. Wir beschlossen dennoch, in den Cazorla-Nationalpark zu fahren. Glücklicherweise ließ der Regen langsam nach und am Nachmittag kam sogar die Sonne heraus – und damit auch ein paar Eidechsen.

  • Wetterinfarkt…

  • …irgendwo in den Wolken liegt der Cazorla-Nationalpark – Man beachte die Olivenplantagen im Vordergrund: Der Großteil der Provinz Jaen besteht aus solchen Monokulturen – hier wurde großflächig eine leblose Agrarwüste geschaffen.

  • Das obere Guadalquivir-Tal im Cazorla-Nationalpark

  • Podarcis virescens bei La Iruela mit gelber Bauchfärbung

  • Subadulter Timon lepidus

  • Wieder dunkle Wolken aber kein neuer Regen

    8.9.

    Nochmal Cazorla-Nationalpark: Wir fuhren zum Nacamiento del Guadalquivir, um dort Algyroides marchi zu fotografieren. In dieser Gegend sollte zudem auch Podarcis liolepis vorkommen. Schnell fanden wir hier eine Population dieser Tiere, die sich äußerlich klar von den benachbarten Podarcis virescens unterscheiden. Tatsächlich treffen im Cazorla Nationalpark mehrere Arten aufeinander: Nachmittags fuhren wir an den Südhang der Sierra de Cazorla, wo wir in der Nähe der Ortschaft Cuenca Podarcis hispanicus fanden. Damit kommen in diesem Gebiet auf 20 Kilometer Luftlinie drei Arten vor. Dies verdeutlicht nochmals, dass die Verbreitung der Mauereidechsen-Arten in Südostspanien einem Flickenteppich gleicht. Erstaunlich ist dabei, dass die Unterscheidung anhand äußerlicher Merkmale dennoch möglich scheint: Zwar findet man in jeder Population einzelne ungewöhnlich gefärbte Tiere – wenn man aber wenigstens drei bis vier Exemplare beobachten kann, entsteht ein eindeutiges Bild.

  • Am Nacamiento del Guadalquivir

  • Algyroides marchi…

  • …und noch einer

  • Podarcis liolepis – Cazorla-Population:

  • juvenile und subadulte Tiere sind sehr dunkel gefärbt…

  • …adulte Tiere wirken viel heller, da bei ihnen die dunklen Zeichnungselemente in einzelne Flecken aufgelöst sind…

  • …ungewöhnlich für spanische Mauereidechsen ist bei diesem Exemplar die Reihe feiner blauer Punkte auf den Flanken zusätzlich zu den blauen Bauchrandschilden. Man beachte, dass sich die Tiere dieser Population äußerlich erheblich von Podarcis liolepis in Nordost-Spanien unterscheiden.

  • Birgit auf Eidechsenjagd:

  • Timon lepidus

  • Boyeria irene (Westliche Geisterlibelle)…

  • …und noch eine: die Tiere verstecken sich meistens im Schatten

  • An den Südhängen der Sierra de Cazorla: hier beginnt der aride Südosten Spaniens

  • Podarcis hispanicus:

  • Die Tiere dieser Population sind zum Teil unterschiedlich gefärbt…

  • ...insgesamt entsprechen sie jedoch eindeutig Podarcis hispanicus.

    9.9.

    Wir verließen Cazorla und fuhren nach Valencia, wo wir die letzten zwei Tage dieser Reise verbrachten. Ein Zwischenstopp in der Nähe von Albacete brachte erneut keine Mauereidechsen sondern lediglich Psammodromus edwarsianus. In Valencia angekommen, stürzten wir uns ins urbane Leben. Es blieb aber noch Zeit, im Stadtpark der dortigen Population von Podarcis liolepis einen Besuch abzustatten.

     

  • Zwischenstopp bei Villar de Chinchilla (Albacete): Psammodromus edwarsianus

  • Valencia hat sich zu einer der besten Städte für Street Art in Europa gemausert

  • Ein schönes Mural im fantastischen Barrio Carmen…

  • …und überdimensionale Fotokunst

  • Podarcis liolepis:

  • Die meisten Tiere dieser Population weisen „concolor“-Färbung auf (vermutlich eine Anpassung an die hellen Sandsteinmauern, die sie bewohnen) – sie sehen aus wie kleine Schweine.

    10.9.

    Am Stadtrand von Valencia finden sich schöne Badestrände – und Dünengebiete mit interessanter Flora und Fauna. Wir konnten hier Chalcides bedriagai, Psammodromus algirus, Psammodromus edwarsianus und Acanthodactylus erythrurus (Europäischer Fransenfinger) nachweisen.

  • Badestrand vor den Toren Valencias

  • Zygaena occitanica auf Pancratium maritimum (Dünen-Trichternarzisse)

  • Ein afrikanischer Immigrant: Orthetrum trinacria (Langer Blaupfeil) – Dank an Jan van der Voort für die Identifizierung!

  • Juveniler Acanthodactylus erythrurus…

  • …noch einer

  • Psammodromus edwarsianus (eine unserer Lieblingsarten, wie dem aufmerksamen Leser vielleicht aufgefallen ist…)

  • Habitat

    11.9.

    Nach einem letzten Stadtrundgang ging mittags unser Rückflug nach Deutschland.

  • Tarentola mauritanica in Yin-Yang-Position

    Epilog, 12.2015:

    Nach derzeitigem Kenntnisstand gehen wir davon aus, dass die mtDNA der Mauereidechsen in Südost-Spanien keine Schlussfolgerungen hinsichtlich der Artzugehörigkeit erlaubt.

    Vertreter der Linie Podarcis hispanicus (sensu Kaliontzopoulou) sind vermutlich zu Podarcis liolepis zu rechnen. Möglicherweise handelt es sich um eine eigene Unterart.

    Bei den Vertretern des Albacete-Murcia Clade dürfte es sich um Podarcis hispanicus (sensu Geniez) handeln.

    Die Vertreter von Podarcis vaucheri South Central Spain scheinen sich nicht signifikant von anderen Podarcis vaucheri zu unterscheiden.

    Literatur:

    KALIONTZOPOULOU, A. & CARRETERO, M.A. & LLORENTE, G.A. (2012) - Morphology of the Podarcis wall lizards (Squamata: Lacertidae) from the Iberian Peninsula and North Africa: patterns of variation in a putative cryptic species complex - Zoological Journal of the Linnean Society, 164: 173–193.

    KALIONTZOPOULOU, A. & PINHO, C. & HARRIS, D.J. & CARRETERO, M.A. (2011) - When cryptic diversity blurs the picture: a cautionary tale from Iberian and North African Podarcis wall lizards. - Biological Journal of the Linnean Society, 103: 779–800.