Kastellorizo & Nisyros, 12.-21.05.2018

Der äußerste Rand Europas – Aus biologischer Sicht gehören die griechischen Inseln Kastellorizo und Nisyros bereits zu Kleinasien: Die Insel Kastellorizo beherbergt aufgrund ihrer Lage wenige Kilometer südlich der lykischen Küste zahlreiche Vertreter der südtürkischen Herpetofauna. Bei der Insel Nisyros hingegen handelt es sich um einen geologisch jungen Vulkan, der direkt am mittelägäischen Graben liegt. Zwei hochinteressante Reiseziele!

  • Linosa, 12.-17.06.2018

    Linosa, 12.-17.06.2018

    Das Robinson Crusoe-Projekt

    clearpx
  • Kastellorizo & Nisyros, 12.-21.05.2018

    Kastellorizo & Nisyros, 12.-21.05.2018

    Inseln am Rande Europas

    clearpx
  • Milos & Serifos, 14. – 21.04.2018

    Milos & Serifos, 14. – 21.04.2018

    Frühjahrsreise auf die westlichen Kykladen

    clearpx
  • Südostspanien, 10.2016 – 11.2017

    Südostspanien, 10.2016 – 11.2017

    Betische Eidechsen – Eine Fotodokumentation

    clearpx
  • Nordwestspanien, 16.-23.9.2017

    Nordwestspanien, 16.-23.9.2017

    Reptilienrallye auf der Iberischen Halbinsel

    clearpx
  • Ionische Inseln, 25.5.-5.6.2017

    Ionische Inseln, 25.5.-5.6.2017

    Kreuzfahrt in der Heimat des Odysseus

    clearpx
  • Portugal, 14. – 21.4.2017

    Portugal, 14. – 21.4.2017

    Eidechsensafari an der Atlantikküste

    clearpx
  • Rhodos & Kastellorizo, 27.3. – 2.4.2017

    Rhodos & Kastellorizo, 27.3. – 2.4.2017

    Season Opening 2017

    clearpx
  • Pyrenäen, 2008 - 2016

    Pyrenäen, 2008 - 2016

    Aller guten Dinge sind Drei: Die Suche nach den Pyrenäeneidechsen

    clearpx
  • Sizilien & Äolische Inseln, 26.5. – 6.6.2016

    Sizilien & Äolische Inseln, 26.5. – 6.6.2016

    Mission Vulkan! Rauchende Berge und seltene Reptilien

    clearpx
  • Astypalaia & Naxos, 25.3.-3.4.2016

    Astypalaia & Naxos, 25.3.-3.4.2016

    Hellas reloaded – Besuch in Europas Biodiversitäts-Labor

    clearpx
  • Spanien, 29.8.-11.9.2015

    Spanien, 29.8.-11.9.2015

    Biodiversität auf der Südost-Tangente

    clearpx
  • Montenegro, 2. – 11.7.2015

    Montenegro, 2. – 11.7.2015

    Eidechsensafari in den Bergen Montenegros

    clearpx
  •  Malta, 3. – 6.4.2015

    Malta, 3. – 6.4.2015

    Die exklusive Podarcis filfolensis Homestory!

    clearpx
  • Oman, 6.–15.3.2015

    Oman, 6.–15.3.2015

    Abenteuer im Südosten der arabischen Halbinsel

    clearpx
  • Zentralspanien, 29.8. - 14.9.2014

    Zentralspanien, 29.8. - 14.9.2014

    14 Tage in der Hitze Kastiliens

    clearpx
  • Lefkada, Kefalonia & Akarnania, 24.5. - 3.6.2014

    Lefkada, Kefalonia & Akarnania, 24.5. - 3.6.2014

    Reptilienabenteuer in Westgriechenland

    clearpx
  • Mallorca / Alicante - 15.-23.03.2014

    Mallorca / Alicante - 15.-23.03.2014

    2014 Season Kick-off mit 16 Reptilienarten

    clearpx
  • Korsika, 07.-17.09.2013

    Korsika, 07.-17.09.2013

    Berge, Meer und Felseidechsen

    clearpx
  • Portugal, 13. - 20.07.2013

    Portugal, 13. - 20.07.2013

    Eidechsensuche in Zentralportugal

    clearpx
  • Rumänien, 24.05. - 03.06.2013

    Rumänien, 24.05. - 03.06.2013

    Herpetologische Abenteuer von der Schwarzmeerküste zum Eisernen Tor

    clearpx
  • Menorca, 17. - 24.03.2013

    Menorca, 17. - 24.03.2013

    Besuch bei den Baleareneidechsen

    clearpx
  • Peloponnes, 20. - 27.10.2012

    Peloponnes, 20. - 27.10.2012

    Herbstreise quer durch den Peloponnes

    clearpx
  • Montenegro, 27.07. - 04.08.2012

    Montenegro, 27.07. - 04.08.2012

    Sommertrip in die Berge Montenegros

    clearpx
  • Skyros & Evia, 26.05. - 04.06.2012

    Skyros & Evia, 26.05. - 04.06.2012

    Die Suche nach den legendären "Rieseneidechsen"...

    clearpx
  • Kreta, 06. - 13.04.2012

    Kreta, 06. - 13.04.2012

    Auf der Suche nach den Blumen und Eidechsen Kretas...

    clearpx
  • Andalusien, 10. - 18.03.2012

    Andalusien, 10. - 18.03.2012

    Eine heiße Woche voller herpetologischer Highlights im Südwesten Andalusiens

    clearpx
  • Nordspanien, 02. - 13.09.2011

    Nordspanien, 02. - 13.09.2011

    Herpetologische Reise in den Nordwesten Spaniens: die Berge westlich von Leon, die Atlantikküste südlich von A Coruña und die Picos de Europa.

    clearpx
  • Ägäis, 28.05. - 13.06.2011

    Ägäis, 28.05. - 13.06.2011

    Fünf Inseln in zwei Wochen: Kythira, Pori, Milos, Kimolos und Sifnos

    clearpx
  • Rhodos & Kastellorizo, 12. - 19.03.2011

    Rhodos & Kastellorizo, 12. - 19.03.2011

    Exkursion zur östlichsten Insel Griechenlands...

    clearpx
  • Zentralspanien, 25.09. - 03.10.2010

    Zentralspanien, 25.09. - 03.10.2010

    Iberolacertas in der Sierra de Gredos, Pena de Francia und Sierra de Guadarrama

    clearpx
  • Alpen, 03. - 17.07.2010

    Alpen, 03. - 17.07.2010

    Unsere erste Tour in die Alpen führte uns ins Allgäu, die Julischen Alpen und nach Kärnten

    clearpx
  • Nord-Peloponnes, 03. - 11.04.2010

    Nord-Peloponnes, 03. - 11.04.2010

    Vier Podarcis-Arten auf einen Streich!

    clearpx
  • Nordgriechenland, 01. - 15. 06.2009

    Nordgriechenland, 01. - 15. 06.2009

    Traumreise durch das Pindos-Gebirge...

    clearpx
  • Sizilien, 28.03. - 04.04.2009

    Sizilien, 28.03. - 04.04.2009

    Orchideenreise in den Osten Siziliens

    clearpx
  • Spanien, November 2008 / Februar 2009

    Spanien, November 2008 / Februar 2009

    Eidechsen in der Provinz Alicante

    clearpx
  • Samos, September 2008 / 2009

    Samos, September 2008 / 2009

    Chamäleons, Goldmabuyen und schöne Strände...

    clearpx
  • Kalkeifel

    Kalkeifel

    Unser regionaler „Spielplatz“: botanische Highlights, artenreiche Schmetterlingswiesen und ein bisschen Herpetofauna…

    clearpx
  • Unsere Reiseziele

    Anreise über Rhodos

    Kastellorizo und Nisyros sind zwei recht entlegene Inseln – beide innerhalb einer Woche zu besuchen, stellt eine logistische Herausforderung dar. Um dorthin zu kommen, wählten wir Rhodos als Ausgangspunkt. Von hier gelangt man per Propellermaschine (oder wahlweise per Fähre) nach Kastellorizo. Zudem verkehrt auch zwischen Rhodos und Nisyros eine Fähre. Der Nachteil dieser Reiseplanung: Im Ergebnis hatten wir drei Übernachtungen auf Rhodos – bei der Anreise, bei der Weiterreise von Kastellorizo nach Nisyros sowie vor der Heimreise. Verglichen mit der ruhigen, verträumten Atmosphäre auf den kleinen Inseln wirkte Rhodos auf uns wenig inspirierend: Massentourismus, Naturzerstörung und hektische Betriebsamkeit... Da wir die Insel außerdem bereits in früheren Jahren ausführlich erkundet hatten, waren wir dieses Mal kaum ambitioniert, hier nach Reptilien zu suchen. Unsere Funde beschränkten sich entsprechend auf Stellagama stellio (Hardun) sowie Anatololacerta pelasgiana (Südwest-Anatolische Eidechse).

  • Stellagama stellio auf Rhodos

  • Anatololacerta pelasgiana in ihrer Terra typica, der Stadtmauer von Rhodos-Stadt

  • Kontrastreich gefärbte Anatololacerta pelasgiana

    Teil 1: Kastellorizo

    Kastellorizo hatten wir in früheren Jahren im zeitigen Frühjahr besucht. Jetzt, Mitte Mai, waren zwar schon einige Touristen auf der Insel unterwegs, dennoch herrschte auf der fast autofreien, nur 9 Quadratkilometer großen Insel eine ruhige, gelassene Atmosphäre. Die venezianischen Häuser, die sich um das Hafenbecken reihen, dahinter bewaldete Hügel und schroffe Kalkfelsen machen die Insel zu einem mediterranen Schmuckstück – und das Meer hatte bereits Badetemperatur: ideale Voraussetzungen für einen entspannten Aufenthalt!

    Im Vergleich zu unseren vorherigen Besuchen präsentierte sich die Insel nun sommerlich trocken und wir beobachteten auch andere Arten als im zeitigen Frühling: von Ablepharus anatolicus (Johannisechse) sowie Ophiomorus kardesi (Schlangenskink) fanden wir dieses Mal nur sehr wenige Exemplare. Dahingegen war nun beispielsweise Heremites auratus (Goldmabuye) sehr häufig zu beobachten – ein Skink, den wir im März überhaupt nicht zu Gesicht bekamen. Dies verdeutlicht, wie stark herpetologische Beobachtungen von der Jahreszeit abhängen.

  • Malerisches Kastellorizo

  • Lyciasalamandra luschani (Lykischer Salamander): Im Mai sind diese Tiere überwiegend nachtaktiv. Das abgebildete Weibchen konnten wir allerdings noch kurz nach Sonnenuntergang fotografieren.

  • Heremites auratus war im Mai eines der häufigsten Reptilien – die Skinke scheinen hier die biologische Nische zu füllen, die andernorts von Lacertiden besetzt ist. Erstaunlich, dass das Vorkommen dieser Art auf Kastellorizo erstmalig im Jahr 2005 durch PAYSANT dokumentiert wurde! Die andernorts oftmals sehr scheue Art konnten wir hier sehr gut fotografieren: Dieses und die folgenden Bilder zeigen jeweils unterschiedliche Exemplare.

  • Heremites auratus #2

  • Heremites auratus #3

  • Heremites auratus #4

  • Heremites auratus #5

  • Heremites auratus #6

  • Mediodactylus danilewskii: Diese frühere Unterart von Mediodactylus kotschyi (Ägäischer Bogenfingergecko) wurde 2018 von KOTSAKIOZI et al. in den Artrang erhoben. Äußerlich sind beide Arten kaum zu unterscheiden; es scheint aber signifikante Unterschiede zu geben: So ist Mediodactylus kotschyi beispielsweise auf den Kykladen oder dem Peloponnes oftmals eine allgegenwärtige Erscheinung, die sich gemeinsam mit Lacertiden auf Felsen oder Mauern sonnt. Die Bogenfingergeckos der südöstlichen Ägäis wie auch auf Kastellorizo scheinen hingegen deutlich seltener und konkurrenzschwächer zu sein. Auch konnten wir diese Geckos auf Kastellorizo nie beim Sonnenbaden beobachten. Das abgebildete Tier wurde in-situ fotografiert und hielt sich konsequent im Schatten einer Mauer auf (Ähnliches scheint für Rhodos zu gelten: dort kommt die Art nur auf vorgelagerten Inseln – z.B. Prasonisi – vor, während sie auf der Hauptinsel zu fehlen scheint. Wir konnten die Art dort ebenfalls nur unter Steinen, jedoch nicht aktiv in der Sonne, nachweisen).

  • Blanus strauchi (Türkische Netzwühle)

  • Xerotyphlops vermicularis (Wurmschlange)

  • Malerisches Kastellorizo #2

  • Malerisches Kastellorizo #3

  • Hemidactylus turcicus (Halbfingergecko) abends am Hotel

  • Nur wenige Kilometer trennen die Insel vom türkischen Festland

    […]

  • Das Vorkommen von Anatololacerta sp. (Anatolische Eidechse) auf Kastellorizo ist uns seit 2011 bekannt. Wir konnten die Art auch 2018 nachweisen.

  • Platyceps najadum (Schlanknatter) ist im östlichen Mittelmeerraum weit verbreitet. Allerdings war uns bislang nie eine Aufnahme gelungen.

  • Stellagama stellio

  • Die Fähre von Rhodos ist beinahe zu groß für den Hafen von Kastellorizo...

  • Abschied von Kastellorizo: Eine Olympic-Air-Maschine brachte uns zurück nach Rhodos.

    Teil 2: Nisyros

    Nisyros gehört zusammen mit Santorin, Milos und Methana zum Kykladenbogen, einer Kette aktiver Vulkane in der südlichen Ägäis. Auf Nisyros ist dies besonders augenfällig: Das Inselinnere wird von einer Caldera geprägt, in deren Mitte sich eine eindrucksvolle Kraterlandschaft befindet. Der Vulkan bestimmt immer noch den Rhythmus der Insel, denn einmal täglich wird es hektisch: Dann erreichen Tagestouristen von Kos per Boot die Insel, werden mit Bussen zum Krater gefahren und stehen dort etwas ratlos herum – die meisten von ihnen kommen ohnehin nicht über die Imbissbude am Besucherzentrum hinaus. Nach einer Stunde ist das Spektakel zu Ende und es kehrt Ruhe auf der Insel ein. Ansonsten scheint der Massentourismus Nisyros übersehen zu haben: Außerhalb des Hauptortes Mandraki, der ganz auf die erwähnten Tagestouristen eingestellt ist, gibt es kaum touristische Infrastruktur und man begegnet nur wenigen Menschen.

    Wir reisten von Rhodos per Fähre an, mit Zwischenstopps auf den Inseln Chalki und Tilos, zwei kahlen Kalksteininseln. Von diesen unterscheidet sich die Insel Nysiros aufgrund ihres vulkanischen Ursprungs erheblich: Bereits aus der Ferne wirkt die Insel grün und tatsächlich ist sie mit reicher Vegetation bewachsen; Farnbestände sowie Eichen und Olivenbäume prägen das Bild. Das Vulkangestein scheint das Wasser besser zu speichern als Kalkstein.

    Eine Vulkaninsel mit reicher Vegetation – das klingt nach idealen Voraussetzungen für ein zweites Galapagos, auf dem sich endemische Arten entwickeln; ähnlich, wie man es beispielsweise von der Insel Milos kennt. Allerdings ist Nisyros dafür schlicht zu jung: Sofern die Geologen recht haben, ist die Insel erst vor rund 150 Tausend Jahren entstanden – ein eher zu kurzer Zeitraum für die Entwicklung neuer Arten. Auf Nisyros stellt sich somit vielmehr die Frage, welche Arten es geschafft haben, die Insel seit ihrer Entstehung zu besiedeln. Eine Einwanderung ist von anderen ägäischen Inseln aber vor allem auch vom türkischen Festland aus denkbar.

    In herpetologischer Hinsicht scheint wenig Literatur über die Insel zu existieren. Recht informativ ist die Veröffentlichung von CATTANEO (2006), der 9 Reptilienarten auf Nisyros nachweisen konnte: Hemidactylus turcicus, Stellagama stellio, Blanus strauchi, Anatololacerta pelasgiana, Ophisops elegans (Europäisches Schlangenauge), Ablepharus kitaibelii, Chalcides ocellatus (Gefleckter Walzenskink), Dolichophis caspius (Kaspische Zornnatter) und Platyceps najadum (Die meisten erwähnten Arten können wir bestätigen; nicht gefunden haben wir Chalcides ocellatus und Platyceps najadum). Das bekannte Artenspektrum zeigt somit deutlich kleinasiatische Prägung. Tatsächlich liegt die Insel östlich des mittelägäischen Grabens und ist somit in biologischer Hinsicht zu Kleinasien zu rechnen.

  • Anfahrt nach Nysiros: Zwischenstopp auf der kahlen Insel Chalki…

  • …vorbei an Tilos…

  • …die „grüne“ Insel Nisyros

  • Die Insel ist dicht mit Eichen und Olivenbäumen bewachsen

  • Stellagama stellio ist die am häufigsten zu beobachtende Art auf der Insel

  • Wohlgenährte Stellagama stellio

  • Ophisops elegans: Diese Art kommt ebenfalls häufig vor, lebt aber bei höheren Temperaturen recht versteckt.

  • Die Caldera von Nisyros

  • Wir waren überrascht, Eryx jaculus (Sandboa) zu finden – das Vorkommen dieser Art auf der Insel wurde bislang in der Literatur nicht erwähnt.

  • Habitat von Eryx jaculus

  • Blanus strauchi

  • Eichenwälder auf Nisyros

  • Die Kraterregion von Nysiros

  • Am Vulkan

  • Am Vulkan

  • Vulkanlandschaft

  • Der berühmte Stefanos-Krater: Haupt-Touristenattraktion der Insel

  • Ähnlich wie auf manchen Kanareninseln ist der Strand auf Nisyros dunkel vom Vulkangestein.

    Anatololacerta pelasgiana auf Nisyros

    Auf Rhodos ist Anatololacerta pelasgiana eine verbreitete Art mit geringen Habitatansprüchen: Bewohnt werden Felsen ebenso wie Trockenmauern und Gärten. Da die Insel Nisyros eine Vielzahl derart geeigneter Habitate, insbesondere unzählige Trockenmauern, aufweist, hatten wir hier mit einer ähnlichen Präsenz von Anatololacerta pelasgiana gerechnet.

    Die Suche gestaltete sich jedoch schwieriger als erwartet: EISELT & SCHMIDTLER (1986) erwähnen zwar das Vorkommen dieser Art; als Fundortangabe findet sich hier aber lediglich der wenig konkrete Hinweis „im Vulkankrater“. CATTANEO (2006) gibt als Fundort die Ortschaft Emporio an. Hier konnten wir jedoch trotz zweimaliger Suche nichts finden. Den entscheidenden Hinweis entnahmen wir schließlich einem Reiseblog: Dort fanden wir eine Abbildung von Anatololacerta pelasgiana mit der Ortsangabe „Parletia“ – hierbei handelt es sich um einen Felsrücken am südöstlichen Rand der Caldera. Dort wurden wir fündig: Wir konnten mehrere Exemplare beobachten. Bemerkenswerter Weise fanden wir die Tiere ausschließlich auf großen Felsformationen – die allgegenwärtigen Trockenmauern, die sich ebenfalls als Habitat anbieten würden, wurden offenbar gemieden. Die Art scheint hier viel engere Habitatpräferenzen zu haben als auf Rhodos.

    Die Größe der Population auf Nisyros lässt sich schwer abschätzen. In dem von uns besuchten Teil der Insel scheint die Art eher selten zu sein. Denkbar sind größere Vorkommen vor allem in den felsigen Hochlagen des Profitis Ilias Massivs, in das wir während unseres Aufenthalts aber nicht vorgedrungen sind. Unsere Beobachtungen stellen zudem nur eine Momentaufnahme dar. Möglicherweise ist die Art im zeitigen Frühjahr deutlich häufiger zu beobachten.

  • Irgendwo hier muss Anatololacerta pelasgiana sein!

  • Anatololacerta pelasgiana (Männchen)

  • Auf solchen Gesteinsformationen fanden wir Anatololacerta pelasgiana - man beachte die Farnbestände im Vordergrund!

  • Anatololacerta pelasgiana (Männchen)

  • Anatololacerta pelasgiana (Weibchen)

  • Blick zum Gipfel des Profitis Ilias: potentielles Habitat für Anatololacerta pelasgiana

    Zum Mittelägäischen Graben

    Etwa 5 km westlich von Nisyros liegen die unbewohnten Vulkaneilande Pergousa und Pachia, direkt am mittelägäischen Graben – oder präziser: knapp östlich davon. Beide Inseln beherbergen Populationen von Podarcis erhardii (Ägäische Mauereidechse), die in mehrerlei Hinsicht interessant sind:

    1. Es handelt sich um den bislang einzigen bekannten Fall, dass eine Reptilienart den mittelägäischen Graben, der eine natürliche Barriere zwischen europäischer und kleinasiatischer Herpetofauna darstellt, von Westen nach Osten überwunden hat (LYMBERAKIS, 2010).
    2. Bemerkenswert ist, dass die Art die kleinen Inseln Pergousa und Pachia besiedeln konnte, nicht jedoch das nahegelegene Nisyros.
    3. Erstaunlich ist zudem, dass die Eidechsen von Pachia offenbar eng mit denjenigen auf der 70 km entfernten Insel Levitha verwandt sind (LYMBERAKIS, 2008). Es scheint, als sei die Besiedelung von dort aus erfolgt und nicht von den – näher gelegenen – Inseln Syrna oder Astypalea.

    Die Populationen auf Pachia und Pergousa wurden bislang keiner Unterart zugeordnet – sie dürften jedoch zur gleichen Gruppe wie die Populationen auf anderen Inseln der östlichen Ägäis zu rechnen sein. Fotos dieser Tiere waren bislang nicht öffentlich verfügbar – eine Aufgabe für uns! Nach einiger Suche fanden wir einen Skipper, der bereit war, zu den Inseln zu fahren. Wir besuchten zuerst Pergousa, eine eher flache, leicht zugängliche Insel, und anschließend Pachia, eine steile Insel mit schroffen Klippen.

    Auf Pergousa erwies sich Podarcis erhardii zwar als häufig, aber auch extrem scheu. Bereits in den Morgenstunden war die Fluchtdistanz extrem hoch. Die Tiere huschten hektisch am Boden zwischen Dornbüschen umher – sie scheinen wenig zu klettern. Selten war es für uns so schwierig, Eidechsen zu fotografieren.

    Pachia beherbergt die östlichste bislang bekannte Population von Podarcis erhardii. Auch hier scheint die Art eher bodenbewohnend zu sein. Allerdings lief uns die Zeit davon und der Skipper wurde ungeduldig (und die ansässige Möwenkolonie war nicht gerade begeistert über unsere Anwesenheit), so dass unser Besuch auf dieser Insel sehr kurz war.

    Die Eidechsen auf den beiden unbewohnten Inseln sind ein eindrucksvoller Beleg der Erfolgsgeschichte von Podarcis erhardii, die offenbar in der Lage ist, noch die entlegensten Inseln der Ägäis zu besiedeln.

  • Ein neues Abenteuer!

  • Die Insel Pergousa

  • Podarcis erhardii (Weibchen)

  • Podarcis erhardii (Männchen)

  • Podarcis erhardii (Weibchen)

  • Podarcis erhardii (grünrückiges Männchen)

  • Blick von Pergousa Richtung Pachia (Mitte) und Nisyros (links)

  • Die Klippen von Pachia

  • Podarcis erhardii von Pachia

  • Blick von Pachia nach Nisyros

  • Rückfahrt von Pachia

    Fazit

    Innerhalb einer Woche hatten wir einige fantastische Inseln gesehen: Kastellorizo mit seiner großen Artenvielfalt auf engstem Raum ist immer einen Besuch wert. Die wenig bekannte Insel Nisyros entpuppte sich als Juwel in der östlichen Ägäis, dem sicher noch nicht alle Geheimnisse entlockt wurden – definitiv ein Ort, an den wir sehr gerne wiederkehren möchten!

  • Abschied von Nisyros

    Literatur:

    Cattaneo, A. (2006) - A contribution to the knowledge of the herpetofauna of the Aegean island of Nisyros (Dodecanese) - Il Naturalista Siciliano, Ser. IV, 30 (3-4): 485-494.

    Eiselt, J. & Schmidtler, J.F. (1986) - Der Lacerta danfordi-Komplex (Reptilia: Lacertidae). - Spixiana, München, 9 (3): 289-328.

    Kotsakiozi, P.; Jablonski, D.; Ilgaz, Ç.; Kumluta?, Y.; Avc?, A.; Meiri, S.; Itescu, Y.; Kukushkin, O.; Gvoždík, V.; Scillitani, G.; Roussos, S.; Jandzik, D.; Kasapidis, P.; Lymberakis, P.; Poulakakis, N. (2018) - Multilocus phylogeny and coalescent species delimitation in Kotschy's gecko, Mediodactylus kotschyi - Molecular Phylogenetics and Evolution 125: 177-187

    Lymberakis, P.; Poulakakis, N.; Kaliontzopoulou, A.; Valakos, E.; Mylonas, M. (2008) - Two new species of Podarcis (Squamata; Lacertidae) from Greece. - Systematics and Biodiversity, 6 (3): 307–318.

    Lymberakis, P. & Poulakakis, N. (2010) - Three Continents Claiming an Archipelago: The Evolution of Aegean’s Herpetofaunal Diversity - Diversity 2010, 2: 233-255.

    Paysant, F. (2005) - Herpetological notes on the Island of Kastellorizo (South-east Aegean, Greece) - Herpetozoa 18 (1/2) Wien: 80-83